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Die Zweitliga-Basketballer des BSV Wulfen haben ihren sieben Saisonsieg gefeiert. Am Freitag führte US-Aufbauspieler Steve Briggs sein Team mit 36 Punkten in einem kuriosen Spiel zum 97:88 (48:48) gegen den Tabellenletzten SSV Lok Bernau. Weil die Konkurrenz im Tabellenkeller ihre Heimspiele durch die Bank verlor, haben die Wölfe nun drei Siege Vorsprung auf die Abstiegszone. Schon am Sonntag muss Wulfen vor die Tore Berlins zum Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten RSV Stahnsdorf (19.12., 17.30 Uhr), kann dort aber ohne Druck aufspielen.
"Ohne Druck" ist auch ein gutes Stichwort für die erste Halbzeit im Wulfener Spiel gegen Bernau. Der BSV agierte gegen dezimierte Gäste drucklos, lag zeitweise mit zehn Punkten hinten. Und das, obwohl die "Lok" in der ersten Halbzeit gerade fünf Spieler aufbieten konnte. Denn der Gast aus Brandenburg hatte bei der Anfahrt nach Nordrhein-Westfalen riesiges Pech, der Kleinbus mit Trainer Torsten Schierenbeck und vier Spielern steckte fast zwei Stunden auf der A2 bei Rhynern im Stau. So kam der Coach erst kurz vor Ende der ersten Halbzeit in die Halle, obwohl sich alle Parteien darauf verständigt hatten, das Spiel mit 15-minütige Wartezeit zu beginnen.
Doch es trat genau das ein, was viele befürchteten - typisch im Sport. Bernau hatte genau fünf Aktive, keinen Trainer auf der Bank und keine Wechselmöglichkeit. Die Aufgabe von Teammanager Thomas Schönhoff bestand darin, die Auszeiten so zu nehmen, dass das Lok-Quintett Verschnaufpausen bekam. Aber auch BSV-Trainer Philipp Kappenstein musste Auszeiten nehmen - weil ihm der Kragen geplatzt war. Ohne Biss agierten seine Schützlinge gegen das Häuflein Aufrechter des ProB-Schlusslichtes. 4:8 (3.), 9:18 (7.) oder gar 13:23 (9.) hieß es aus Wulfener Sicht. Der Kopf hatte den BSV-Sportlern einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Erst kurz vor Viertelende verkürzten Jan Sprünken per Dreier, Nino Janoschek aus der Mitteldistanz und Joey Henley per Korb mit Bouswurf auf 21:23 - alles war wieder offen. Zuvor hatte nur Youngster Thomas Reuter Akzente setzen können. Doch obwohl beim Gast nun die Kräfte schwanden und Marcus Dathe schon drei Fouls hatte, konnte die Kappenstein-Combo auch im zweiten Viertel das Blatt nicht wenden. Mehr als den Ausgleich, den aber gleich mehrfach, schafften die Gastgeber nicht. Bei Steffen Hummelt und seinen Dreiern konnte sich der BSV bedanken, überhaupt im Rennen zu bleiben.
Mit 48:48 ging es in die zweite Halbzeit, in der dann beide Teams zahlenmäßig komplett waren. Doch Philipp Kappenstein hatte seinen Jungs in der Kabine so lautstark Feuer unter dem Hintern gemacht, dass diese sich besagten förmlich aufrissen. Schnell ging Wulfen durch einen Briggs-Dreier in Führung und gab diese bis zum Spielende nicht mehr ab. Obwohl die Bernauer immer wieder gefährlich nah herankamen, zum Beispiel mit einer 7:0-Serie auf 72:76 (32.) oder auf 75:78 (33.).
Im Schklussviertel waren es die beiden US-Amerikaner des BSV, die in der Offensive den dritten Heimsieg unter Dach und Fach brachten. 20 der 21 Wulfener Punkte gingen auf das Konto von Joey Henley und Steve Briggs. Liga-Topscorer Henley hatte nach 30 Minuten gerade einmal fünf Feldkörbe erzielt, ließ in den letzten zehn Minuten aber noch acht Punkte folgen. Alles überragend agierte Steve Briggs. Drei Tage vor seinem 25. Geburtstag spielte der Texaner wie von einem anderen Stern, war von der Lok-Verteidigung nicht zu halten. 23 Punkte in der zweiten Halbzeit standen für den flinken Aufbauspieler zu Buche. Insgesamt holte Briggs 36 Punkte (Spieltag-Bestwert), verteilte sieben Assists, stealte sechsmal den Ball - den Effektivitätswert von 42 hatte in dieser Saison noch kein Wulfener geholt.
Angetrieben von den "Stimmungsfreunden Wulfen", die ihr Team über 40 Spielminuten unterstützten, wollte die Kappenstein-Combo nach dem Wechsel den siebten Saisonsieg unbedingt. Vergessen war die herbe Schlappe vor einer Woche im Derby bei den Hertener Löwen, die sich übrigens mit einem Sieg in Leverkusen die Tabellenführung zurückholten, weil Schwelm zu Hause gegen Vechta stolperte.
"Mein Team geht auf dem Zahnfleisch, wir snd so froh, dass wir dieses Spiel irgendwie gewonnen haben", sagte BSV-Trainer Philipp Kappenstein nach der Partie. Sein Gegenüber Torsten Schierenberg, der praktisch nur eine Halbzeit gesehen hatte, flachste nach dem Spiel: "Vielleicht hätte ich die fünf der ersten Halbzeit das ganze Match durchspielen lassen sollen." Kappenstein lobte den Mitaufsteiger aus Brandenburg trotz dessen elfter Saisonniederlage: "Bernau ist stark, die werden noch den ein oder andeeren Sieg landen. Daher bin ich so froh, dass wir das Ding hier gedreht haben. Ich bin trotz der ersten Halbzeit stolz auf meine Mannschaft." Nach dem Spiel am Sonntag in Stahnsdorf gibt es dann die lang ersehnte Weihnachtspause.
BSV: Vadder, Hummelt (14/4), Henley (20), Arndt, Reuter (9), Mazur, Janoschek (6), Bakoa (5/1), Sprünken (7/2), Lensing und Briggs (36/4). Lok: Dathe (15/2), Schekauski (7/1), Heide (7/1), Vance (27), Mau (2), Brock (20/1), Rothenbacher, Beck und Trzcionka (10). Schiedsrichter: Moritz Krüper (Essen), Marco Behm (Gevelsberg). Zuschauer: 334.
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