Das Spiel war beendet, trotz eines 98:86-Sieges über die BG Hagen war der BSV Wulfen abgestiegen. Doch die besten Fans der Liga feierten ihre Mannschaft, ihren Verein und ein bisschen auch sich selbst. Verkehrte Welt in Wulfen, ein verrücktes Basketball-Dorf. Die Trauer über den verpassten Klassenerhalt war da, aber sie wurde einfach weggefeiert.

Drei Jahre nach dem Abstieg aus der ProB in die Regionalliga West geht es für den Traditionsverein in die 2. Regionalliga Westfalen. Genau 18 Jahre nach dem Abstieg 1998, damals noch in der Wittenbrinkhalle, hat es den BSV wieder erwischt. Erst der vierte Abstieg in 47 Vereinsjahren. Wenn die Erinnerungen stimmen.
Javier Nasarre

Dass der Sieg über den Tabellenvierten nicht reichte, lag am 75:71-Auswärtssieg der SG Sechtem bei ART Düsseldorf. Sechtem schob sich noch auf Platz 12, hofft nun auf den Klassenerhalt. Direkt abgestiegen sind die Giants Düsseldorf als Tabellenletzter (sie hatten bei Vizemeister Münster verloren) und der BSV Wulfen als Vorletzter. ART hatte keine Schützenhilfe leisten können. Doch kein Vorwurf aus Wulfen in diese Richtung: Den Klassenerhalt hatte Wulfen in unzähligen Spielen zuvor selbst verschenkt.

"Wenn Ihr immer so gespielt hättet, wärd Ihr niemals abgestiegen", sagte Hagens Trainer Kosta Filippou nach dem Spiel. Bewegt waren die Worte von BSV-Trainer Maik Berger. Für ihn war es das letzte Match als Wulfener Coach, nach drei Jahren trennen sich die Wege des BSV und des Jungtrainers - allerdings in enger Freundschaft. "Ich möchte mich bei vielen Menschen bedanken, die mich auf meiner ersten Trainerstation so unterstützt haben", sagte Berger mit Tränen in den Augen. "Es tut mir leid, das wir den Klassenerhalt nicht geschafft haben."

Ohne Wissen der Ergebnisse in den anderen Hallen waren die Wulfener in die Partie gegangen. Und sie wollten ihren letzten Strohhalm ergreifen. Absolut "on fire" war Eigengewächs Tim Gorontzi. Der 23-jährige Flügelspieler schoss einen Dreier nach dem anderen in den Hagener Korb, stand beim 52:40-Halbzeitstand schon bei 20 Punkten und 5 Dreiern bei 6 Versuchen. Am Ende war Gorontzi mit 26 Punkten Topscorer der Begegnung. Um ihn und Powerforward Thorben Vadder möchte der BSV nun eine neue Mannschaft für die 2. Regionalliga aufbauen.

Fast die gesamte Spieldistanz lag der BSV in Führung, schon über 20 Punkte betrug der Vorsprung. Am Ende kam der Gast, immerhin mit einem Amerikaner, einem Litauer und drei Griechen angetreten, nochmals auf 7 Punkte heran. Aber angefeuert von den Fans und den neuen BSV-Cheerleadern - die einen atemberaubenden Premieren-Auftritt hinlegten - machte Wulfen den Sack zu. Es folgten Siegesfeiern in der Gewissheit des Abstiegs. Typisch Wulfen. Jeder Spieler wurde einzeln gefeiert, auch wenn alle Saisonziele verfehlt wurden.

In der Halbzeitpause ehrte der BSV noch erfolgreiche Sportler: Jonas Brozio (Jugendspieler des Jahres), Lina Holtrichter (Jugendspielerin des Jahres), die weibliche U15 (Jugendteam des Jahres), Jörn Bersuch (Jugendtrainer des Jahres), Kreshnik Gashi (Spieler des Jahres), Joana Clark (Spielerin des Jahres), Florian König (Trainer des Jahres), Herren 3 (Mannschaft des Jahres), Thomas Schipp (Helfer des Jahres), Nico Pal (Fan des Jahres) und Holger Zarth (Funktionär des Jahres).

BSV: Philip Günther (11/2), Simas Raupys (25/4), Christian Marquardt (5/1), Javier Nasarre (20, 9 Reb.), Kreshnik Gashi, Tim Gorontzi (26/6), Chris Brown (9/1, 12 Reb.), Jens Nieswand, Thorben Vadder (2) und Tim David.

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