Dieses Spiel geht in die Basketball-Geschichte der TuS 59 HammStars und des BSV Wulfen ein. Nicht weil es das erste Hammer Spiel in der 2. Regionalliga war. Nicht weil es das erste Saisonspiel in der 50. Saison des BSV Wulfen war. Sondern weil dieses 107:114 von Hamm alles, aber auch alles verkörperte, was den Basketballsport ausmacht. Der BSV Wulfen gewann am späten Samstagabend seinen Saisonauftakt beim Aufsteiger in Hamm mit 114:107 nach zweifacher Verlängerung. Es war ein dramatischer Basketball-Abend.

Der begann mit unerwarteter Verspätung. Kurz vor regulärem Spielbeginn hatten die Gastgeber beim Warmmachen per Dunking ihren eigenen Korb so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass der Korb nicht mehr bespielbar war. Hektische Betriebsamkeit auf Hammer Seite, bis endlich ein Ersatzkorb montieret war. Mit über 50-minütiger Verspätung begann das Match. Und die Verzögerung bekam vor allem dem Aufsteiger nicht. Mit aggressiver Verteidigung kauften die Münsterland Baskets aus Wulfen den HammStars den Schneid ab, spielten und warfen sich in einen Rausch. 1:16 leuchtete es nach vier Minuten von der Anzeigetafel. 3:22 nach 7 Minuten. Mit 14:31 ging das erste Viertel an den BSV - Hamm hatte sich sein erstes Spiel in der 2. Regionalliga ganz anders vorgestellt.

Im zweiten Viertel war der Gastgeber dann im Match angekommen, obwohl es nach 12  Minuten gar 14:38 aus Hammer Sicht hieß. Angeführt vom überragenden Litauer Lukas Kazlauskas (15 Punkte im zweiten Spielabschnitt) machten sich die HammStars an die Aufholjagd. Bis auf 40:53 kamen sie heran, ehe der beste Spieler auf dem Feld, Wulfens Amerikaner Bryant Allen mit zwei Körben, den letzten mit der Pausensirene, den alten Abstand wieder herstellte. 40:57 hieß es zur Halbzeit, der BSV Wulfen hatte eindrucksvoll seine Muskeln spielen lassen. Zwischenzeitlich mehrfach mit 22 Punkten Differenz geführt. Und das, obwohl mit Thorben Vadder und Kreshnik Gashi zwei absolute Leistungsträger gefehlt hatten.

Aber der BSV zeigte auch Nerven. In der zweiten Hälfte. Hamms Trainerfuchs Ivan Rosic stellte auf Zonenverteidigung um. Und da Wulfens Trefferquote sank, ging das Viertel mit 24:17 an die Gastgeber. Vor dem Schlussviertel hieß es nur noch 64:74. Bis in die 39. Minute verteidigte der BSV seine knapper werdende Führung, nur einmal zum 78:78 (34.) hatte Hamms US-Amerikaner Donahue ausgleichen können. Sein Dreier zum 88:89 brachte dann die Halle des Märkischen Gymnasiums zum Kochen. Center Genjac erzielte gar das 91:89. So musste Wulfens Routinier Philipp Lensing bei seinem Comeback für die Wölfe zum 91:91 die fünfminütige Verlängerung erzwingen. BSV-Center Tim Terboven war da bereits mit 5 Fouls ausgeschieden. Lensing verwarf sogar noch einen Bonusfreiwurf, Hamm konnte aber nicht mehr den Siegkorb landen.

Das Rosic-Team sah in der Overtime beim 99:94 (44.) schon wie der sichere Sieger aus. Doch der BSV bewies Moral, antwortete durch die starken Marcel Gorontzi und Patrik Paschke zum 99:99, Bryant Allen legte an der Freiwurflinie das 99:101 nach. Hamm konterte wieder, ausgerechnet durch die beiden Ex-Wulfener Lukas Kazlauskas und Jonas Kleinert: 103:101. Bryant Allen behielt die Nerven, erzwang an der Freiwurflinie mit zwei Treffern zum 103:103 die zweite Verlängerung. Vorausgegangen war ein unsportliches Foul der Gastgeber, das die ansonsten guten Unparteiischen aber nicht ahndeten.

Daher musste in der zweiten Verlängerung die Entscheidung fallen. Angetrieben von ihren lautstarken Schlachtenbummlern hatte diesmal Wulfen den besseren Start. Marcel Gorontzi erzielte drei enorm wichtige Körbe, Bryant Allen holte hinten die Defensivrebounds. Bei den HammStars, die ab der 45. Minute auf Center Genjac und ab der 48. Minute auf US-Boy Donahue verzichten mussten, lief alles nur noch über Kazlauskas. Aber der Litauer war mit den Kräften am Ende, hatte Wadenkrämpfe und vergab einen Wurf nach dem nächsten. Bryant Allen an der Freiwurflinie und Youngster Alexander Winck mit dem 114:107 machten den Deckel für den BSV drauf.

Eine Nervenschlacht fand einen glücklichen, aber nicht unverdienten Sieger. BSV-Trainer Predrag Radanovic hatte zuvor noch Lukas van Buer und Steffen Piechotta mit Foulhöchstzahl verloren. Doch den für die Moral ungemein wichtigen Auftaktsieg - auswärts beim wahrscheinlich härtesten Mitbewerber um die Meisterschaft  - den hatte der BSV Wulfen gelandet. Entsprechend groß war der Jubel bei Spielern und Fans. Letztere waren vielleicht das Zünglein an der Waage, hatten sie doch ihre Münsterland Baskets weit über die 50 Spielminuten uneingeschränkt angefeuert. Der BSV hatte in Hamm nur das erste Viertel und die zweite Verlängerung für sich entschieden, das reichte zum Auswärtssieg.

2018 09 22 HammStars vs MBas

Die Mannschaft bedankte sich bei den zahlreich migereisten Fans

Vater des Wulfener Sieges war der US-Amerikaner Bryant Allen mit 38 Punkten, in der Verlängerung verwandelte er 10 Freiwürfe bei 10 Versuchen. Aber auch Marcel Gorontzi, Patrik Passchke und Steffen Piechotta auf dem Flügel sowie die Center-Riege um Oldie Lensing verrichtete Schwerstarbeit. Bereits am kommenden Samstag (20 Uhr, Gesamtschulhalle Wulfen) kommt mit der ProB-Reserve aus Iserlohn der nächste Aufsteiger.

BSV: Paschke (17/3), Winck (6), Brinkschulte, Gorontzi (21), Allen (38/2), Dreißig, Terboven (10/1), Juskovic (2), Sehovic, Lensing (6), van Buer (4) und Piechotta (10/2). Hamm: Stivachtis (8/1), Donahue (20/2), Brummert, Keilinghaus (2), Genjac (15), Kleinert (6), Wirtelarz (18), Riepe, Kazlauskas (34/2), Knorig, Assor (2) und Docenko. Schiedsrichter: Lars Lottermoser, Peter Brune.

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