In sprichwörtlich allerletzter Sekunde ziehen die BSV Münsterland Baskets Wulfen ihren Kopf aus der sicher zugezogen geglaubten Schlinge der Paderborn Baskets 2 und gewinnen nach Verlängerung mit 90:80 ihr erstes Heimspiel des Jubiläums-Jahres am Ende vielleicht ein wenig zu hoch. Damit beendet die 1. Herrenmannschaft des BSV Wulfen die Regionalliga-Hinrunde 2018/2019 mit der optimalen Ausbeute von 11 Spielen aus 11 Siegen und schielt weiterhin auf den lang ersehnten Wiederaufstieg in die höchste deutsche Basketball-Amateurliga 1. Regionalliga West.

2:0 (1. Minute) und 4:2 (2.) waren lange Zeit die einzigen Führungen, die der BSV in dieser Partie erspielen konnte. Erst mit Beginn der Verlängerung (41.) konnte die Mannschaft von Predrag Radanovic erstmals wieder in Führung gehen (73:71), um diese dann bis zum Ende der Overtime nicht mehr herzugeben. Dazwischen erlebten die ca. 400 Zuschauer in der Wulfener Gesamtschulhalle ein Wechselbad der Gefühle. Schnell gingen die Gäste, angeführt vom ehemaligen Bundesliga-Spieler Ole Wendt (mit 27 Punten/5 Dreier/13 Rebounds), klar in Führung. 5 Punkte vom ebenfalls starken 18-jährigen Hasan Demirbas brachten die Mannschaft von Gäste-Trainer Martin Krüger im ersten Durchgang früh mit 13:6 deutlicher in Führung. Demirbas war es auch, der nach der Viertelpause seine Mannschaft weiter anführte. Acht Punkte in den ersten drei Minuten brachten die höchste Führung für die Gäste vom Rande des Eggegebirges: 28:9 hieß es zu diesem Zeitpunkt für die Gäste durch einen Spielabschnittübergreifenden 13:0-Lauf der Paderborner. Die tolle Anfangs-Stimmung auf der Tribüne, die zu Spielbeginn ihre Mannschaft mit ihrem neuen Vereinslied noch emotional angetrieben hatte, war zu diesem Zeitpunkt erst mal dahin. Doch die Wölfe blieben am Ball. Mit 21:10 gingen die letzten sieben Minuten der ersten Spielperiode an die Basketballer aus dem Dorstener Norden, sodass es mit 30:38 in die Katakomben ging.

In der Halbzeitpause hatte Pedja Radanovic offenbar die richtigen Worte für sein Team gefunden. Sechs der ersten acht Punkte erzielte in den Minuten eins bis fünf Wulfens US-Guard Bryant Allen, der so seine Mannschaft wieder in Schlagdistanz brachte. Beim 38:41 war auch die Kulisse wieder da und feuerte ihr Team voller Inbrunst weiter an. Doch Ole Wendt und Hasan Demirbas brachten ihre Farben in den weitern Minuten des dritten Viertels weiter in Front und vergrösserten den Vorsprung aus der Halbzeitpause sogar noch um einen Punkt, sodass es beim Stand von 42:55 in den vermeintlich letzten Spielabschnitt ging.

Die Gäste aus Ostwestfalen, die genau wie der BSV Wulfen in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feiern, gingen nun jedoch noch weiter in Führung. 51:67 lag das Rudel nach Dreiern von Wendt und dem 15-jährigen (!) Peter Hemschemeir in der 35. Minute zurück. Doch erneut schlug nun die Stunde des Bryant Allen. Er läutete mit einem Dreier nun einen 13:0-Lauf der Münsterland Baskets ein und trieb seine Mannschaftskollegen zusammen mit der blendend aufgelegten Kulisse eindrucksvoll voran. Gut 90 Sekunden vor Spielende lag sein Team nur noch mit 3 Punkten zurück (64:67). Doch erneut konterte Ole Wendt von jenseits der 6,75-Meter-Linie und erhöhte wieder auf 64:70. Während Alexander Winck 3 von 4 Freiwürfen vergab, verkürzte nun Marcel Gorontzi den Rückstand auf 68:71. Im Gegenzug versagten Hasan Demir nun die Nerven und er vergab einen seiner beiden Freiwürfe. Zu diesem Zeitpunkt war der überragende Ole Wendt gerade durch ein Allerwelts-Foul mit Foulhöchstzahl ausgeschieden, womit er seine klasse spielenden Mannschaft einen wahren Bärendienst erwies. Die fälligen Freiwürfe konnte allerdings erneut Alexander Winck nicht nutzen, sodass Paderborn nun die Chance hatte, seine 3-Punkte-Führung auszubauen. Doch die Gäste konnten den Ball ebenfalls nicht im Korb der Wulfener unterbringen, sodass ein letzter Angriff zum Ausgleich möglich war. Bryant Allen war es vergönnt, "from coast to coast" den Ball nach vorne zu treiben und mit einem gewagten Sprungwurf von der Dreier-Linie mit Brett den Ausgleich zu erzielen. Die Halle stand Kopf, der nicht mehr für möglich gehaltene Ausgleich war geglückt. Paderborn konnte die letzten 0,9 Sekunden der regulären Spielzeit nicht mehr sinnvoll gestalten, sodass es unter den Augen der vielen BSV-Sponsoren, die zum Neujahrs-Empfang geladen waren, in die Verlängerung ging.

Weiter unentwegt von Publikum und Cheerleadern angefeuert, konnte Wulfen nun den Sack zu machen. Zuviel hatte Paderborn investiert und konnte jetzt nichts mehr entgegen setzten. Mit 19:9 dominierte der Gastgeber die Verlängerung und führte kurz vor Ende sogar mit 12 Punkten (89:77, 45.). Mit 16 Punkten hatten die starken Gäste 5 Minuten vor Ende geführt, doch sie konnten ihren Vorsprung nicht verteidigen. Das Wolfsrudel hätte sich nicht beschweren können, wenn Paderborn nach der regulären Spielzeit als Sieger vom Platz gegangen wäre. "Ich bin wirklich stolz auf meine Mannschaft, sie hat das heute über die nahezu gesamte Spielzeit hervorragend umgesetzt und den BSV nicht in Fluß kommen lassen", so ein zwar enttäuschter aber dennoch nicht unzufriedener Trainer Martin Krüger. Sein Gegenüber erkannte die starke Leistung der Gäste an: "Paderborn hat heute ein tolles Basketball-Spiel gestaltet. Das gebietet höchsten Respekt. Am Ende hat unsere gut besetzte und längere Bank den Ausschlag gegeben. Wir haben uns den Ausgleich verdient und dann hatten sie nichts mehr entgegen zu setzten", resümierte BSV-Coach Predrag Radanovic.

Für die BSV Münsterland Baskets Wulfen folgt nun am kommenden Samstag erneut ein Heimspiel, die TuS 59 HammStars kommen in den Gesamtschul-Dome. Das Hinspiel zum Saisonauftakt konnte Wulfen ebenfalls nach Verlängerung mit 107:114 in der Ferne gewinnen, das Pokal-Spiel Ende November gewann der BSV zu Hause mehr als deutlich (102:75). Doch das Gesicht der HammStars hat sich in der Winterpause gewandelt, der Gegner wird am Samstag ein anderer sein. Es wird das TOP-Spiel dieser Saison sein, wenn der ungeschlagene Tabellenführer den Tabellenzweiten zum Aufstiegs-Duell empfängt. Radanovic hat viel Arbeit in der kommenden Woche, die BSV-Fans genießen sie und freuen sich auf das nächste Basketball-Fest am nächsten Wochenende.

BSV: Paschke (6), Winck (6/12 Rebounds), Gorontzi (20/2 Dreier/10 Rebounds), Allen (33/5), Gashi (7/2), Terboven, Juskovic, Lensing (4), Sehovic, Vadder (6), van Buer (2), Piechotta (6). Paderborn: Hemschemeier (8/3), Köster (9/1), Engel, Freitag, Wendt (27/5/13 Rebounds), Pierburg (17/5/10 Rebounds), Demirbas (16), Petrie, Hinze (3). Schiedsrichter: George, Alexandru Susan (Essen), Stefan Kutschek (Recklinghausen). Zuschauer: 415.

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